Trauerumwandlung – Aus der Trauer neue Energie fürs Leben schöpfen…

Aus der Trauer neue Lebensenergie zu gewinnen scheint wohl schwer nachvollziehbar im ersten Moment, speziell für jemanden der unmittelbar oder frisch betroffen ist und durch die Trauer genau das Gegenteil fühlt und spürt, eine bleierne Schwere die ein normales Leben und Empfinden schier unmöglich macht.

Gründe für Trauer gibt es unzählige: der Verlust eines geliebten Menschen, der Verlust der eigenen Gesundheit, Verlust der Arbeitsfähigkeit, eine wichtige Beziehung die zu Ende geht… Das Wichtigste dabei und in der unmittelbaren Phase der Trauer ist die Erkenntnis und das Akzeptieren das wir mit diesen Gefühlen eine normale Reaktion unserer Seele und unseres Körpers erfahren und das trotz des empfundenen Schmerzes eine „gesunde“ Reaktion ist, wir nicht krank sind. Das ist wohl die fundamentalste und wichtigste Erkenntnis die wir in diesem Moment erfahren können und ist für uns selbst wie auch uns betreuende und zur Seite stehende Menschen und Freunde gleichermassen wichtig. Wir sind durch unsere Trauer nicht krank und müssen demnach auch nicht wie Kranke behandelt werden. Natürlich gibt es Situationen, in welcher starke Trauer bereits bestehende und belastende Probleme potenzieren können und eine entsprechende Behandlung nötig wird oder ist. Doch die normale Natur der Trauer betrachtend ist dies ein normaler und auch von unserem Körper benötigter Verlauf um den Trauerprozess durchleben zu können. In solchen Momenten sagt uns der Körper sehr genau was geht und was nicht. Normal belastbar zu sein in einem solchen Moment ist ein Ding der Unmöglichkeit und sich im Alltag aus Dingen auszuklinken die einfach zur Zeit nicht erfüllbar sind, eine Notwendigkeit. Zeit spielt auf dem Trauerweg überhaupt eine entscheidende Rolle und es ist schwierig genug uns diese in einem solchen Moment selbst zuzugestehen oder sie gegenüber unseren Alltagsverpflichtungen geltend zu machen. Trotzdem ist genau das nötig, die Pausen und Oasen für sich selbst sind nötig um eine normale Trauer individuell durchleben zu können. Somit ist die Trauer ein Schutzmechanismus, der unserem Körper und der Seele zeigt, dass andere Umstände und Regeln herrschen und man auch sich selber gegenüber Toleranter sein muss. Der Körper fordert Zeit und Raum um die sich stauende Lebensenergie, die sich als Trauer manifestiert, zu erfassen, etwas mit ihr zu machen und sie letztendlich umzuwandeln.

Die Trauer ist vielfältig, vielschichtig und wohl bei jedem anders. Doch es gibt eine Regel die dabei immer gilt: Trauer kann nicht abgekürzt werden, es gibt nur einen Weg und das ist DURCH die Trauer. Wir müssen die einzelnen Phasen der Trauer voll durchleben um diese letztendlich „gesund“ überstanden zu haben und idealerweise gestärkt daraus hervorzugehen.

Das Konzept der Trauerumwandlung, die Trauer als angestaute Lebensenergie zu erkennen und als solche umzuwandeln, ist der Versuch eine Ausdrucksform zu finden welche eine Verarbeitung der Trauer zulässt und uns neue Wege ins Leben aufzeigt, ohne beispielsweise einen geliebten Menschen „zurücklassen“ zu müssen, sondern vielmehr die durch ihn gewonnene neue Energie dankbar mitzunehmen.

Was bei vielen Urvölkern und auch den alten Griechen eine Selbstverständlichkeit war und mittels diverser Rituale und Klagelieder praktiziert wurde, ist in unserer modernen Welt zusehends in Vergessenheit geraten. Tod, Trauer und der Umgang mit derselben wird tabuisiert, die Verarbeitung findet anonym und isoliert statt… Das Konzept der Myroagogik, welche auf dem Trauerumwandlungskonzept LTUM von Dr. Jorgos Canacakis basiert und durch das Internationale Forum für Angewandte Humanforschung (IFAH) gelehrt wird ist heute ein weltweit anerkanntes und praktiziertes Konzept mit trauernden Menschen umzugehen und sie durch den oft schweren Weg der Trauer zu begleiten. Dass das Konzept funktioniert und einem trauernden Menschen helfen kann, habe ich an mir selbst erlebt, nach dem Tod meines Sohnes Julien und dem darauf folgenden Trauerweg mit vielen Veränderungen in meinem Leben. Das Konzept der Trauerumwandlung hat mein Leben bereichert und mir auch geholfen einen neuen Sinn zu finden, in welchem auch das Erlebte seinen Platz gefunden hat und mir der Verlust meines Sohnes letztendlich nicht nur sinnlos vorgekommen ist sondern als Wendepunkt in meinem Leben, in welchem ich gelernt hatte zu erkennen was mir wirklich wichtig ist und was nicht und mir die Kraft gegeben hat, auch berufliche Änderungen vorzunehmen. So habe ich selbst die Ausbildung zum Diplomierten Myroagogen und Lebensberater im Jahre 2002/2003 bei Dr. Canacakis und dem Institut für angewandte Humanforschung absolviert. Was anfänglich hauptsächlich für mich und als weiteren Schritt meiner persönliche Trauerbewältigung gedacht war, hat sich über die Jahre nun in eine aktive Begleitung für trauernde Menschen gewandelt die sehr bereichernd aber auch sehr berührend ist. Auch mein persönlicher Trauerweg hat mir gezeigt, dass in der unmittelbaren Phase nach dem Trauerereignis eigentlich nur Mitgefühl und das Zuhören hilfreich sind. Insbesondere von Menschen, die dasselbe erlebt haben und „wissen wovon sie sprechen“. Trauernde Menschen sind in dieser Phase sehr verletzlich und selbst gut gemeinte Worte des Trostes („die Zeit heilt alle Wunden…“, „es wird wieder gut werden…“), verfehlen oft ihr Ziel und können dazu führen, dass sich Trauernde zurück ziehen und weiter isolieren.

Das Coaching für Trauerbegleitung und Lebensgestaltung (CTL) ist letztendlich meine Trauerbegleitung nach dem LTUM Konzept, unterstütz und ergänzt durch einen befreundeten logotherapeutischen Psychologen. Logotherapie ist eine  sinnzentrierte und wertorientierte Psychotherapie und Beratung. Sie zielt im Wesentlichen darauf ab, Menschen in seelischen Notlagen und Sinnkrisen bei ihrer Suche nach Sinn im Leben, nach einer für sie sinnvollen Lebensgestaltung zu begleiten, also Fragen und Herausforderungen, mit welchen sich auch viele trauernde Menschen konfrontiert sehen. Somit stehen bei mir als Trauerbegleiter in der Anfangsphase speziell Gespräche und das Zuhören im Vordergrund, das Angebot, den Schmerz und das Erlebte als aktiver Zuhörer und Gesprächspartner zu teilen und mit auszuhalten, unterstützt mit Anregungen wie diese schwere akute Phase der Trauer am besten auszuhalten und zu gestalten ist. Auch das Zusammenbringen mit Gleichbetroffenen gehört in diese Phase, denn die Erkenntnis, in dieser Lebenskrise nicht alleine betroffen zu sein, kann Halt und Trost spenden. Gute Kontakte und Freundschaften können sich daraus ergeben und oft übernehmen Personen, deren Trauerfall schon länger zurück liegt und die wieder in ein gutes – wenn auch anderes – Leben zurück gefunden haben, ungewollt eine Vorbildfunktion. Es ist ratsam, die weiteren Angebote und Trauerseminare, auch die dreitägigen Trauerumwandlungsseminare welche die CTL anbietet, erst zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Trauerweg zu absolvieren. In den Seminaren ist es nötig, bereits eine gewisse Strecke auf dem Trauerweg zurückgelegt zu haben und sich der Trauer selbst auch stellen zu können und zu wollen. Dies sollte in der Regel frühestens nach ca. 6 Monaten der Fall sein.

Dominik Zimmermann